Sonntag, 14. Oktober 2012

Das Essen, L, mein Gewicht. Es wird mir alles zu viel. In mir drin ist nur noch Trauer, Verzweiflung und dieser unfassbare Hass gegen mich selbst. Ich renne die alte Holztreppe hoch, stolpere und schlage mir das Knie auf, aber ich spüre es kaum, rapple mich wieder auf und renne in mein Zimmer. Ich zerre meinen Rucksack unter dem Tisch vor. Ich glaube es gibt keinen Ort wo ich den nicht mit hin nehme, deshalb ist da auch alles was ich brauche drin. Als ich die vordere Tasche öffne sehe ich sie sofort, meine Klingen. Eine absurde Vorfreude erfüllt mich. Ich nehme eine, setze mich auf mein Bett und schneide in die ohnehin schon vernarbte Haut. Ein kleiner Blutfluss tritt aus der Wunde und würde auf das Bett fließen, wenn ich nicht schnell ein Taschentuch nähme und es wegwischen würde. Ich schaue den Schnitt an. Ich fühle nichts, kein Schmerz, keine Erleichterung, einfach nichts. Das gibt es doch nichts. Wut erfüllt mich und ich schneide weiter, höre auf die Schnitte zu zählen, es waren einfach zu viele. Als ich mein Werk betrachte spüre ich immer noch fast nichts. Rasend vor Wut schneide ich weiter in einem schon vorhandenem Schnitt rum. Tiefer, bis es weh tut. Plötzlich treffe ich auf was. Ne Sehne? Keine Ahnung, auf jeden Fall verspüre ich auf einmal einen stechenden Schmerz. Ich lege die Klinge zur Seite und sacke zufrieden zurück ins Bett. Eine Frage überkommt mich:
"Wie lang hast du es in der letzten Zeit ohne Schneiden ausgehalten?"
Ich antworte mir selbst mit bebender Stimme:
"Keinen einzigen Tag."
Langsam fließen Tränen über mein Gesicht, ich stelle die Musik auf meinen Kopfhörern auf so laut wie möglich und weine mich leise in den Schlaf.

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